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AVX DB1 X IM TEST: VIEL MASCHINE FÜR ERSTAUNLICH WENIG GELD? 


Die AVX DB1 X ist auf dem deutschen Markt noch ein eher neuer Name – international ist die Maschine jedoch längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Hinter ihr steckt ein Modell des asiatischen Herstellers Gemilai, das je nach Land unter unterschiedlichen Namen vertrieben wird. In Deutschland heißt sie AVX DB1 X, anderswo begegnet man ihr unter anderen Bezeichnungen. Doch was macht diese Maschine für uns so interessant?

Auf dem Papier bringt die AVX DB1 X erstaunlich viel Ausstattung für ihre Preisklasse mit. Aktuell ist sie für rund 650 € erhältlich – und genau in diesem Preisbereich gibt es nur wenig direkte Konkurrenz mit vergleichbarem Funktionsumfang. Das klingt erst einmal nach einem ziemlich starken Angebot. Trotzdem ist die AVX DB1 X keine Maschine, die man allein anhand ihrer Feature-Liste beurteilen sollte. Denn im Alltag zählen nicht nur technische Daten, sondern auch Bedienung, Verarbeitung, Temperaturstabilität und die Frage, wie gut die Maschine wirklich zu den eigenen Ansprüchen passt. Und genau hier zeigen sich neben vielen Stärken auch ein paar Punkte, die man vor dem Kauf kennen sollte.

Wir haben uns die wichtigsten Funktionen der Maschine genauer angesehen und zusammengefasst, was wirklich relevant ist: wo die AVX DB1 X überzeugt, für wen sie spannend sein kann – und welchen ehrlichen Haken du auf dem Schirm haben solltest.

Einkreiser, Dualboiler – oder irgendwas dazwischen?

Was ist die AVX DB1 X nun eigentlich: Einkreiser, Zweikreiser oder Dualboiler? Genau diese Frage wird online nicht immer eindeutig beantwortet – und das liegt daran, dass sich die Maschine nicht ganz sauber in eine dieser klassischen Kategorien einordnen lässt. Die AVX DB1 X arbeitet mit einem Hybrid-System und verbindet damit gewissermaßen zwei Welten, die normalerweise kaum miteinander vergleichbar sind: Dualboiler und Einkreiser.

Für den eigentlichen Espressobezug ist ein Edelstahlboiler zuständig. Zum Dampfen kommt zusätzlich ein separater Thermoblock zum Einsatz, also ein eigenes Heizelement – ebenfalls aus Edelstahl. Damit hat die Maschine zwei voneinander getrennte Systeme: eines fürs Brühen, eines fürs Dampfen. Das erinnert erst einmal an einen Dualboiler. Gleichzeitig funktionieren aber nicht beide Systeme parallel, wie man es von vielen Dualboilern kennt. Der Grund: In der AVX DB1 X ist nur eine Pumpe verbaut.

Hier kommt also direkt der erste Abstrich: Gleichzeitig Espresso beziehen und Milch schäumen geht nicht. Das klingt zunächst nach Einkreiser – allerdings mit einem entscheidenden Vorteil. Während ein klassischer Einkreiser erst einige Minuten braucht, um den Boiler auf Dampftemperatur zu bringen, fällt diese Wartezeit bei der AVX DB1 X praktisch weg. Denn der separate Thermoblock ist nicht nur schneller einsatzbereit, sondern im Betrieb dauerhaft aktiv – und damit im Grunde direkt verfügbar. Er muss vor dem Schäumen nur kurz „eingearbeitet“ werden. Was das konkret bedeutet, schauen wir uns später beim Schäumverhalten noch genauer an.

AVX-Eureka Libra-Setup

Kompakt, wertig – aber etwas leicht gebaut

Auf den ersten Blick macht die AVX DB1 X einen erstaunlich wertigen Eindruck. Das Design wirkt aufgeräumt, modern und deutlich erwachsener, als man es in dieser Preisklasse vielleicht erwarten würde. Mit ihren kompakten Abmessungen von 28 × 23 × 38 cm ist sie außerdem angenehm platzsparend und passt damit auch in Küchen, in denen nicht unbegrenzt Arbeitsfläche zur Verfügung steht.

Ein klarer Pluspunkt ist das Gehäuse: Es besteht größtenteils aus Edelstahl – und das sollte man bei einem Preis von rund 650 € nicht einfach übergehen. Natürlich ist nicht jedes einzelne Bauteil aus Metall gefertigt. Einige Bedienelemente bestehen, wie auch bei vielen anderen Maschinen, aus Kunststoff. Dazu zählen unter anderem verschiedene Knöpfe, das Dampfrad, der Drehknopf, der Wassertank sowie der Griff des Siebträgers. Die Knöpfe sind immerhin in Edelstahloptik gehalten und fügen sich optisch gut ins Gesamtbild ein.

Der ehrlichste Haken in diesem Bereich ist das Gewicht. Die AVX DB1 X bringt nur rund 10 kg auf die Waage. Das klingt im ersten Moment vielleicht nicht nach einem Nachteil – bei Siebträgermaschinen ist Gewicht aber durchaus gewünscht. Eine schwere Maschine steht stabiler, vor allem beim Einspannen des Siebträgers. Genau hier hat sich in unserem Test gezeigt: Die AVX bleibt nicht immer ganz souverän an Ort und Stelle. Mit einer zweiten Hand am Gehäuse lässt sich das gut abfangen, erwähnenswert ist es trotzdem.

Zum Vergleich: Günstige Klassiker wie die Lelit Mara X wiegen rund 20 kg – also etwa doppelt so viel. Die AVX DB1 X punktet damit klar bei Kompaktheit und Materialanmutung, muss bei der Standfestigkeit aber einen ersten kleinen Abstrich hinnehmen.

AVX Ringbruhgruppe

Ringbrühgruppe und Aufheizzeit: 5 Minuten reichen uns nicht ganz

Bei der Brühgruppe setzt die AVX DB1 X auf eine sogenannte Ringbrühgruppe. Das Besondere daran: Der Kessel sitzt direkt über der Brühgruppe und kann das erhitzte Wasser auf kurzem Weg an das Sieb abgeben. Dadurch sollen Temperaturverluste möglichst gering gehalten werden. Gleichzeitig soll die Brühgruppe durch diese Bauweise schneller mit aufgeheizt werden – daher auch das Versprechen einer besonders kurzen Aufheizzeit von rund 5 Minuten.

In der Praxis waren wir da allerdings etwas skeptischer. Nach fünf Minuten war die Maschine zwar grundsätzlich betriebsbereit, der erste Espresso hat uns aber noch nicht wirklich überzeugt. Die Crema fiel sehr dünn aus, und auch die Brühgruppe selbst ließ sich noch problemlos anfassen. Für uns wirkte das nicht so, als wäre die Maschine bereits vollständig durchgeheizt. Diese Beobachtung deckt sich auch mit den Messwerten der Kaffeemacher, die die AVX DB1 X sehr ausführlich getestet haben. Schaut dort gerne einmal vorbei, wenn ihr noch tiefer in die technischen Details einsteigen möchtet.

Unsere Empfehlung wäre deshalb: Gib der AVX DB1 X mindestens 15 Minuten Aufheizzeit – so, wie wir es auch bei vielen anderen Siebträgermaschinen empfehlen würden. Wer es eilig hat, kann mit ein paar Leerbezügen etwas nachhelfen und das Aufheizen der Brühgruppe beschleunigen.

Ein Pluspunkt bleibt trotzdem: Die AVX DB1 X arbeitet mit dem gängigen 58-mm-Standard. Damit steht dir eine große Auswahl an Zubehör zur Verfügung – vom Sieb über den Tamper bis hin zum bodenlosen Siebträger.

Noch eine Anmerkung zum Schluss: Die Ringbrühgruppe ist keine klassische E61-Brühgruppe. Das spart Platz und Gewicht, bringt aber auch weniger Masse mit. Eine E61-Brühgruppe würde allein schon rund 4 kg zusätzlich auf die Waage bringen – und genau diese thermische Masse fehlt der AVX DB1 X natürlich ein Stück weit.

Viele Funktionen für wenig Geld: PID, Pre-Infusion und Shot-Timer

Bei den Funktionen zeigt die AVX DB1 X ziemlich deutlich, warum sie in ihrer Preisklasse so spannend ist. Allen voran steht die eingebaute PID-Steuerung – und die ist bei einem Preis von rund 650 € tatsächlich ein starkes Argument. 

Die Brühtemperatur lässt sich direkt über das Display einstellen. Dafür hältst du die „+“-Taste gedrückt, bis auf dem Display „H-1“ erscheint. Anschließend wird die aktuelle Boilertemperatur angezeigt und kann im Bereich von 80 bis 102 °C angepasst werden. Laut Gebrauchsanleitung ist die Maschine ab Werk auf 95 °C voreingestellt.

Ähnlich funktioniert die Temperatureinstellung für den Dampfbereich. Auch hier hältst du zunächst die „+“-Taste gedrückt, bis „H-1“ erscheint. Drückst du danach erneut auf „+“, gelangst du zu „H-2“. Dort lässt sich die Temperatur für den Dampf-Thermoblock im Bereich von 135 bis 147 °C einstellen.

Zusätzlich bietet die AVX DB1 X zwei Einstellmöglichkeiten für die Pre-Infusion, die über „P-1“ und „P-2“ gesteuert werden. Damit kannst du beeinflussen, wie das Kaffeemehl vor dem eigentlichen Bezug angefeuchtet wird. Gerade wer gerne mit Mahlgrad, Rezepten und Extraktion spielt, bekommt hier deutlich mehr Kontrolle als bei vielen anderen Maschinen in dieser Preisklasse.

Auch der Knopf für den automatischen Kaffeebezug lässt sich belegen. Hier stellst du ein, nach wie vielen Sekunden der Bezug automatisch beendet werden soll. Praktisch ist das grundsätzlich schon – wir würden den Espresso aber trotzdem eher nach eigenem Ermessen und Geschmack stoppen. Zeit ist nur ein Richtwert. Entscheidend ist am Ende, wie der Espresso läuft, wie viel in der Tasse landet und wie er schmeckt.

AVX 3

Sehr sinnvoll ist deshalb der integrierte Shot-Timer. Sobald du einen Espresso beziehst, zählt die Maschine die Sekunden automatisch mit. Das ist im Alltag deutlich hilfreicher als ein starr programmierter Bezug und gibt dir mehr Kontrolle über dein Rezept. Für uns ist das sogar ein weiteres Argument, den Bezug lieber selbst zu beenden, statt sich ausschließlich auf eine voreingestellte Sekundenzahl zu verlassen.

Alles in allem kann die AVX DB1 X funktional erstaunlich viel. PID-Steuerung, einstellbare Dampftemperatur, Pre-Infusion, programmierbarer Bezug und Shot-Timer – das ist in dieser Preisklasse keineswegs selbstverständlich. Die Maschine lädt damit klar zum Experimentieren ein und richtet sich nicht nur an Einsteiger, sondern auch an alle, die ihren Espresso bewusst beeinflussen möchten.

AVX Milchschaumer

Größtes Manko: der Milchschäumer

Kommen wir zum wohl größten Schwachpunkt der AVX DB1 X: dem Milchschäumen. Hier merkt man dem Hybrid-System der Maschine am deutlichsten an, dass es eben kein klassischer Dualboiler ist. Espresso beziehen und gleichzeitig Milch schäumen ist technisch nicht möglich, weil in der AVX nur eine Pumpe verbaut ist. Diese kann nicht beide Systeme gleichzeitig stabil versorgen.

Der Dampf wird bei der AVX DB1 X über einen separaten Thermoblock erzeugt. Der ist zwar praktisch direkt einsatzbereit, bringt aber eine Eigenheit mit: Zu Beginn tritt relativ viel Kondenswasser aus der Dampflanze aus. Außerdem braucht die Pumpe einen Moment, bis sie in einen konstanten Rhythmus kommt und der Dampf gleichmäßiger anliegt. Genau deshalb reicht es nicht, die Lanze nur kurz aufzudrehen und direkt mit dem Schäumen zu starten.

Vor dem Milchschäumen sollte man die Dampflanze gründlich entwässern – oder, wie wir es nennen würden: den Thermoblock erst einmal kurz einarbeiten. Erst wenn weniger Wasser kommt und der Dampf stabiler austritt, lohnt es sich, mit der Milch zu starten. Dieser Schritt ist bei der AVX besonders wichtig, weil sonst zu viel Restfeuchte in die Milch gelangt.

Im Vergleich zu professionellen Kesselmaschinen dauert das Schäumen dadurch länger. Gerade feiner Mikroschaum für Latte Art ist damit anspruchsvoller. Grobe Bläschen lassen sich schwerer vermeiden und später auch nicht ganz so einfach wieder herausarbeiten.

Heißt das, dass Milchgetränke mit der AVX DB1 X nicht funktionieren? Nein. Cappuccino und Flat White sind grundsätzlich möglich. Man muss sich nur bewusst sein, dass das Milchschäumen mehr Sorgfalt und etwas Übung verlangt. Wer hauptsächlich Espresso trinkt, wird diesen Punkt wahrscheinlich gut verschmerzen können. Wer aber regelmäßig mehrere Milchgetränke hintereinander zubereiten möchte, sollte dieses Manko klar auf dem Schirm haben.

Kleine Extras, die den Alltag leichter machen

Neben den großen Funktionen bringt die AVX DB1 X noch ein paar kleinere Details mit, die im Alltag durchaus angenehm auffallen. Dazu gehört zum Beispiel das integrierte Barista-Lämpchen an der Unterseite des Brühkopfs. Eine kleine LED beleuchtet die Tasse und den laufenden Bezug. Das sieht nicht nur nett aus, sondern hilft auch dabei, den Espresso während der Extraktion besser im Blick zu behalten.

Ebenfalls verbaut ist ein 3-Wege-Magnetventil. Nach dem Bezug wird der Druck dadurch direkt abgelassen. Das sorgt dafür, dass der Kaffeepuck im Siebträger deutlich trockener ausfällt und sich sauberer ausklopfen lässt. Ganz unabhängig von der eigenen Vorbereitung ist das natürlich nicht: Mahlgrad, Dosierung und Verteilung spielen weiterhin eine große Rolle. Aber technisch bringt die AVX hier eine sinnvolle Grundlage mit.

Ein weiteres Extra ist die automatische Entkalkungserinnerung nach 500 Bezügen. Grundsätzlich ist das ein praktischer Hinweis – wir würden hier aber nicht blind nach Anzeige handeln. Wenn von Anfang an das richtige Wasser verwendet wird und sich im Wassertank keine sichtbaren Kalkspuren zeigen, würden wir vom vorschnellen Entkalken eher abraten. Gerade bei Espressomaschinen ist Entkalken nicht immer harmlos, da gelöste Kalkpartikel im System auch Probleme verursachen können. Besser ist es, von Anfang an mit geeignetem Wasser zu arbeiten und die Maschine gar nicht erst stark verkalken zu lassen.

Das mitgelieferte Zubehör rundet das Gesamtpaket ab. Im Lieferumfang enthalten sind unter anderem ein Blindsieb, ein kleiner Reinigungspinsel und ein Messlöffel. Nichts Spektakuläres, aber solide Basics, mit denen man direkt starten und die Maschine ordentlich pflegen kann.

AVX

Fazit: Für Espresso fast schon zu gut für den Preis

Unser persönliches Fazit zur AVX DB1 X fällt ziemlich klar aus: Die Maschine ist in vielen Punkten schlicht beeindruckend. Aktuell gibt es auf dem Markt wohl kaum ein Modell, das so viele Funktionen zu einem derart kleinen Preis mitbringt. PID-Steuerung, einstellbare Pre-Infusion, Shot-Timer, 58-mm-Brühgruppe, Edelstahlgehäuse, separater Thermoblock fürs Dampfen – auf dem Papier ist das für rund 650 € schon eine Ansage.

Und das Überraschende: Die Haken halten sich dafür erstaunlich in Grenzen. Natürlich ist die AVX DB1 X keine perfekte Maschine. Die Standfestigkeit ist durch das geringe Gewicht nicht ideal, beim Einspannen des Siebträgers braucht es manchmal eine zweite Hand. Auch das Milchschäumen ist klar der größte Schwachpunkt. Wer täglich Cappuccino trinkt, sich ernsthaft mit Latte Art beschäftigt und gerade an Herz, Tulpe oder Schwan feilt, wird mit der AVX wahrscheinlich nicht dauerhaft glücklich.

Ganz anders sieht es für Espresso-Trinker aus. Hier spielt die AVX DB1 X ihre Stärken deutlich besser aus. Mit der richtigen Mühle, sauberer Puck-Prep und einem passenden Rezept lassen sich sehr gute Ergebnisse erzielen. Ehrlich gesagt: Für Espresso ist die Maschine schwer in Ordnung – fast schon zu gut für den Preis. In der Tasse dürfte es für viele kaum bis keinen spürbaren Unterschied zu deutlich teureren Maschinen geben, solange Mühle, Kaffee und Zubereitung stimmen.

Deshalb ist die AVX DB1 X für uns vor allem eines: eine extrem spannende Maschine für alle, die viel Kontrolle über ihren Espresso möchten, aber nicht direkt vierstellig investieren wollen. Wer hauptsächlich Espresso trinkt und mit den kleinen Kompromissen bei Gewicht und Milchschäumen leben kann, bekommt hier erstaunlich viel Maschine fürs Geld.

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